Akademischer Alpenverein München

Bergtouren, Vorträge, Expeditionen

Zur Geschichte des AAVM

Renovierung Erihütte

AAVMler bei der Renovierung der Erihütte an der Scharnitzspitze

Es waren Meilensteine des deutschen Himalayabergsteigens in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Eine Reihe von Expeditionen zu einem der schwersten Berge ging damit zu Ende.

Auch heute gibt es jedes Jahr mehrere Anfragen zu diesen Unternehmungen. Dabei geht es dann um die Einordnung von Grußpostkarten der Expeditionsteilnehmer, um Ausrüstungsgegenstände, wo welche Kamera verwendet wurde und welche Eidechse wo gesammelt wurde. Alles keine leichten Fragen, besonders wenn keiner der Expeditionsteilnehmer mehr lebt. Aber doch Motivation genug sich mit der Bergsteigergeschichte dieser Zeit näher zu befassen und deren Motivation zu hinterfragen. Die AAVM Bibliothek bietet dafür reichlich Material.

1895 gab es die erste Expedition von A.F. Mummery, G. Hastings, J.N. Collie und C.G. Bruce an der Diamir –Flanke. Sie erreichten eine Höhe von 6100m. Ein unerhört kühner Vorstoß zu dieser Zeit und auch ein Ansatz an der Wand über den die heutige Standardroute (Kinshofer) führt. Mummery wollte anschließend mit zwei Ghurkas die Nordflanke über eine der Diamir-Scharten erreichen. Die Drei blieben verschollen und sind wahrscheinlich in einer Lawine umgekommen.

Erst 1932 kam es zu einer deutsch-amerikanischen Expedition unter Leitung von Willy Merkl, diesmal zur vermeintlich leichteren Rakhiot-Flanke auf der Nordseite. Über diese Flanke erfolgten auch alle weiteren Besteigungsversuche der nächsten Jahre. Teilnehmer waren Fritz Bechtold, die sächsischen Kletterer Fritz Wiessner und Felix Simon, Walter Raechl, Herbert Kunigk, Peter Aschenbrenner, Dr. Hugo Hamberger, Rand Herron und Miß Elizabeth Knowlton. Am 30. Juli wurde westl. des zuvor erstiegenen Rakhiot-Peak Lager 7 auf 6950 m Höhe errichtet. Die einsetzenden Monsun-Schneefälle bedeuteten aber das Ende des Besteigungsversuches.

Bereits 1934 kam es zur nächsten Expedition maßgeblich gefördert von der Reichsbahn und dem Deutsch Österreichischen Alpenverein, wieder unter Leitung von Willy Merkl. Teilnehmer waren Fritz Bechtold, Peter Aschenbrenner, Willy Bernard, Alfred Drexel, Peter Müllritter, Erwin Schneider, Willo Welzenbach und Uli Wieland und in der wissenschaftlichen Gruppe Richard Finsterwalder, Peter Isch und Walter Raechl. 8. Juni starb Alfred Drexel an einer Lungenentzündung. Am 4. Juli begann man unterhalb des Rakhiot-Peak mit dem eigentlichen Angriff Richtung Silbersattel.
Erwin Schneider und Peter Aschenbrenner kamen am 6. Juli bis auf 7850 m Höhe, während die Mannschaft ihr Lager am Silbersattel aufschlug. In der folgenden Nacht setzte extremer Sturm ein. Man wartete einen Tag ab, entschloss sich dann aber am 8. Juli zum Rückzug. Schneider und Aschenbrenner übernahmen die Führung und kamen am selben Tag bis Lager 4 unterhalb des Rakhiot Peak, wo sie in Sicherheit waren. Uli Wieland, Willo Welzenbach, Willy Merkl und 11 Sherpas kämpften am Grat um ihr Leben. Dem Inferno entkamen nur 5 der Sherpas; alle anderen starben, Willy Merkl am 17. Juli. Alle Rettungsversuche von unten scheiterten am tiefen Schnee.

Mit Förderung der Himalayastiftung kommt es 1937 zu einer Expedition unter Leitung von Karl Wien mit Dr. Hans Hartmann, Adi Göttner, Dr. Günther Hepp, Pert Fankhauser, Martin Pfeffer, Peter Müllritter und Ulrich Luft. Am 11. Juni wird Lager 4 in einer Mulde unterhalb des Rakhiot-Peak errichtet. Am 14. Juni begann man mit Transporten in Richtung Lager 5. In der Nacht vom 14. zum 15. Juni wird Lager 4 von einer Lawine verschüttet. Die gesamte Mannschaft im Lager, 7 "Sahibs" und 9 Sherpas kommen ums Leben. Das Unglück wird erst am 18. Juni durch den Arzt Ulrich Luft entdeckt.
Eine Bergungsexpedition (Paul Bauer, Fritz Bechtold und Karl. v. Kraus) bricht von Deutschland aus auf und birgt einen Teil der Toten.
1938 geht es noch mal zur Rakhiot-Flanke diesmal unter Leitung von Paul Bauer mit Fritz Bechtold, Alfred Ebermann, Stefan Zuck, Dr. Bruno Balke, Dr. Uli Luft, Mathias Rebitsch, Hans-Herbert Ruths, Ludwig Schmaderer und Rolf von Chlingensperg. Man erreicht den Mohrenkopf und findet dort die Leichen von Willy Merkl und Gyali (1934). Mehrere Versuche, zum Silbersattel vorzustoßen, scheitern an den schlechten Wetterbedingungen.